Anar

(geb. 1938)

Die rote Limousine

Übersetzung: Wilayet Hadschiyev

In meiner Heimatstadt mit sieben Hügeln

Verlor ich meine blühende Blume

Man muss sich nicht schämen,

wenn man vor dem Tod Angst hat

auch nicht, wenn man an den Tod denkt.

(Nazim Hikmet)

Er blieb plötzlich stehen und schaute sich um. Die Gegend kam ihm irgendwie bekannt vor, und doch war es so, als ob er diese engen Straßen zum ersten Mal sähe. Die ein- und zweistöckigen Häuser und der Geruch der unordentlichen Höfe, die Sackgasse, die sich an eine Wand schmiegte - wie ein weitentfernter Traum, eine Fatamorgana, wie beinahe in Vergessenheit geratenes, wie ein trüber Schlaf, so erinnerte dies alles 0. an eine unbestimmte Welt. Waren es Erinnerungen an seine Kindheit? - Nein, die hatte er nicht in diesem Stadtteil verbracht. Vielleicht war er irgendwann, vor vielen, vielen Jahren, hierher zu Besuch gekommen? Wohnten in einem dieser Häuser Verwandte oder Bekannte? Er konnte sich nicht daran erinnern. Der Weg zu seinem Büro führte jedenfalls nicht durch diese Straßen. Er hatte auch nicht die schlechte Gewohnheit, durch die Stadt zu bummeln und sich in unbekannten Stadtteilen zu verirren. - Warum schien ihm alles hier so vertraut zu sein? Als ob er jeden Winkel dieser Gegend schon gesehen hätte. Dazu noch seine Empfindungen: das Durcheinander, seine merkwürdige Unsicherheit, diese Unruhe - Woher kamen sie? Es war, als ob ihn etwas erschrecken wollte, aber was? Tief in seinem Inneren hatte er das Gefühl, dass er nicht in einem Teil jener Stadt war, in der er sein ganzes Leben verbracht hatte, sondern in einer anderen, fremden, deren Straßen ihm nur bekannt vorkamen.

Er schaute auf seine Uhr. Es blieben nur wenige Minuten bis Mitternacht, bis zur Ausgangssperre. Jede Richtung, jede Straße, die Entfernungen in dieser Stadt, in der er seit seiner Geburt gelebt hatte, waren ihm gut bekannt. Er musste versuchen so schnell wie möglich aus dem Labyrinth der engen Gassen herauszukommen, um dann durch die breiten Hauptstraßen zu seinem Haus zu laufen. Bis zwölf Uhr, spätestens. Danach könnte er den Patrouillen begegnen und über Nacht festgehalten werden.

Vielleicht war es der Mondschein, der ihn erschreckte. Die alten Häuser, die an halbzerfallene kleine und große Ruinen erinnerten, die einsamen engen Straßen, die sich in ihrem In- und Durcheinander verwirrten, und diese unendliche Stille, alles war in ein silbergraues, aschfarbenes Licht getaucht. 0. war es, als käme diese tote Farbe aus einer anderen Welt. Er gehörte nicht zu jenen, die wie Schlafwandler nächtelang auf den Straßen dem Mondschein folgten. Er war hellwach. Er konnte die Zeit, die Stunde bestimmen und hatte sich unter Kontrolle. Er erinnerte sich jetzt daran, wie er manchmal im Traum ein schönes Stück mit einem Sprung zurückgelegt hatte, als ob er sich in der Schwerelosigkeit befände. Aber auch daran, dass seine Beine mitunter völlig steif waren und er keinen einzigen Schritt vorwärts machen konnte. Jetzt waren seine Beine nicht steif. Er bewegte sich so wie gewöhnlich, auch Schwerelosigkeit empfand er nicht. Nein, es war kein Traum.Was halte er dann zu dieser Zeit in diesem unbekannten Stadtteil zu suchen? Warum war er hergekommen, und wie? Seit wann war er überhaupt da? Wie sehr er sich auch anstrengte, er konnte auf keine dieser Fragen eine Antwort finden. Wäre er ein Trinker gewesen, hätte man alles dem zuschreiben können, aber er verabscheute Alkohol. Die wachsende Ungewissheit war die Ursache seiner Verwirrung und einer Unruhe, ihr sich beinahe in Angst verwandelte. Dazu kam die unbe stimmtte  Ahnung, dass irgendetwas Unerwartetes geschehen wurde. Aber was? Es war die bloße Vorahnung, die 0. so erschreckte. Er kehrte der Sackgasse den Rücken und ging an der ersten Kreuzung nach links. Nach einigen Schritten stand er vor einer Wand, es war wie in einem Labyrinth. Zur Linken war eine schmale Tür, er trat ein, kam jedoch in keinen Hof, sondern in eine andere Straße. Und schlagartig wurde ihm bewusst, was Ihn zuvor so erschreckt hatte: es war ein Geräusch gewesen. Der ton, eben noch leise wie ein Atemzug, hatte sich in ein Brummen verwandelt. Es war das Geräusch eines Automotors. Man hatte ihn angelassen, um ihn aufzuwärmen. Bald würde der Motor bereit sein, und das Auto würde sich in Bewegung setzen. Warum aber genügte das Geräusch eines Fahrzeugs, das 0. noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte, ja, das an diesem Ort wahrscheinlich gar nicht fahren könnte, um ihn so zu erschrecken? Ohne es zu verstehen, wollte er sich von diesem Brummen entfernen. Wollte es loswerden, wollte sich retten. Er begann, schneller zu gehen, fühlte jedoch, dass sich ihm das Auto mit gleich bleibender Geschwindigkeit näherte. Beinahe geriet er in Panik und Fing an zu laufen, sich fragend, ob das Fahrzeug in diesen engen, verschlungenen Straßen überhaupt in diesem Tempo fahren könnte. Als das Brummen ganz nahe war, zwang er sich, zurückzuschauen, blieb für einen Augenblick stehen und wandte sich um. Eine große rote Limousine, die die Breite der Straße von einem Gehsteig zum anderen ausfüllte, kam auf ihn zu. Etwa 25-30 Meter entfernten ihn noch von dem Auto. Mit dem unwillkürlichen Willen, sich zu retten, stürmte er in die nächstgelegene Eingangstür, schmiegte sich an die Wand des dunklen Ganges und versteckte sich. Es war ihm, als ob das Auto abbremsen würde, auch das Brummen war leiser geworden. Fast schien es, als hätte das Fahrzeug angehalten, aber tatsächlich fuhr die rote Limousine nur langsamer und näherte sich dem Eingang, in dem sich 0. versteckt hielt. Unmittelbar davor hielt sie an. Er konnte jetzt in das Innere des Autos sehen; es war leer, auch auf dem Fahrersitz saß niemand.

* * *

Wie gewöhnlich hatte er den Wecker auf sieben gestellt, aber er erwachte vor dem Klingeln. Das Schaudern dieses merkwürdigen Traums hatte noch nicht nachgelassen. Nur langsam klärte sich sein Bewusstsein und er begriff, dass er in seiner Wohnung in seinem Bett lag, und dass das, was eben geschehen war, nur ein Traum gewesen war. Ein Albtraum. 0. lächelte leise und schüttelte den Kopf.

Ein neuer Arbeitstag begann. Er sollte aufstehen, Morgengymnastik machen, sich rasieren, einen Frühstückstee trinken und zur Arbeit gehen. 0. überlegte, was er an diesem Tag machen würde. Als er sich der traurigen Wiederholung seiner tagtäglichen Beschäftigungen besann, deckte er sich von neuem zu und versuchte, wieder in seine Traumwelt zurückzukehren, was ihm aber nicht gelang. Endlich gehorchte er seinem Lebens-plan, der für einmal und für immer festgeschrieben worden war und stand auf.

Eine halbe Stunde später schloss er die Tür seiner Wohnung, in der er allein lebte, hinter sich zu und begann die Treppe vom vierten Stockwerk hinunterzusteigen. In funf Minuten würde er in den Bus, Linie 7, einsteigen, ihn bei der U-Bahn-Station wieder verlassen, drei Stationen mit der U-Bahn fahren, bei der vierten aussteigen, dann etwa hundert Meter zu Fuß gehen und schließlich in seinem Büro ankommen. Seit achtzehn Jahren, ausgenommen nur die Wochenenden und jährlich ein Urlaubsmonat, legte er den selben Weg zur selben Zeit mit den selben Verkehrsmitteln zurück.

Als 0. aus dem Haustor trat - er hatte sich eben eine Zigarette angezündet -, erschrak er plötzlich und blieb stehen. Auf der Straße neben dem Gehsteig stand eine rote Limousine. Er hätte beschwören können, dass es dieselbe war, die er im Traum gesehen hatte. Aber jetzt war helllichter Tag, und 0. hatte keine Angst vor dem Fahrzeug, das vor der Haustür stand. Ein jedes Auto konnte dort stehen. Sollte es doch da parken, so lange es wollte! Er hatte die Limousine, die sich durch ihre grellrote Farbe, von den anderen Autos unterschied, hier noch nie bemerkt. Er dachte daran, dass er sie vielleicht doch einmal gesehen und nicht beachtet haben könnte, hier oder irgendwo anders, und dass sie sich in seinem Unterbewusstsein eingeprägt haben müsste. Deshalb hätte er sie wohl auch im Traum gesehen. Als er sah, dass sich der Bus näherte, ging er schneller und schwang sich bei gewohntem Gedränge durch die Hintertür hinein. Durch die Heckscheibe schaute er zurück. Woher sein merkwürdiges Interesse kam, wusste er selbst nicht, trotzdem wandte er sich um. Die rote Limousine stand noch immer vor seiner Haustür. An der nächsten Haltestelle stiegen viele aus und 0. konnte sich setzen. Er schaute durch das Seitenfenster auf die Straßen der Stadt, die von Autos und Menschen wimmelten und versuchte vergeblich, seine zerstreuten Gedanken zu sammeln. Besonders gefesselt war er von den Autos, die neben dem Bus hin- und herfuhren, er schien nach etwas zu suchen. Sein Verhalten brachte ihn selbst zum Lachen: „Vielleicht suche ich das rote Auto. Ich habe es schon lange nicht gesehen."

Als er aus dem Bus stieg, sah er die rote Limousine wieder. Genauer: nachdem er schon ein paar Schritte zur U-Bahn gemacht hatte. Sie stand seitlich des Eingangs direkt am Gehsteig. Sie war auch jetzt leer.

Als er auf der Rolltreppe zur U-Bahn hinunterfuhr, dachte er sich, dass in der letzten Zeit sicher neue Autos in die Stadt gebracht worden wären. Und zwar rote. Und dass er diesen nun auf Schritt und Tritt begegnete. „Sie haben sogar Wege in meine Träume gefunden", dachte er, lächelte und schauderte vor einem neuen Gedanken: „Vielleicht ist es immer dasselbe Auto und es verfolgt mich." Diese Vermutung brachte ihn wieder zum Lachen. „Ja, natürlich verfolgt es mich, und zwar auf eine ganz neue Art: es steht immer dort, wo ich gerade vorbeigehe, sogar in meinen Träumen." Zugleich nahm er sich vor, auf das Nummernschild zu achten, sollte er diesem roten Auto noch einmal begegnen. 1hm fiel ein, dass schon allein die Verwendung der Worte 'dieses rote Auto' bedeutete, dass er alle roten Limousinen, auch jene, die er im Traum gesehen hatte, für ein und dasselbe Auto hielt.

Sein Klopf war so voll von diesen sinnlosen, unlogischen Gedanken, dass er, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, seine Station versäumte. So stieg er an der nächsten Station aus, wartete ein wenig und kehrte mit dem Gegenzug zurück, um dort auszusteigen, wo er es immer tat. Die Rolltreppe brachte ihn nach oben. Als er rauskam, sah er neben dem Gehsteig die rote Limousine und wunderte sich diesmal gar nicht. Es war, als ob er nie daran gezweifelt hätte, sie hier zu sehen. Er prägte sich die Autonummer des leeren Fahrzeugs ein: 19-91.

Auf dem Weg zu seinem Büro dachte er: „Wird das rote Auto mir zum Büro folgen oder werde ich es erst dort sehen, wenn ich ankomme? Nein, das wäre unmöglich. Das ist die einzige Straße, die zu meinem Büro führt. Es muss an mir vorbeifahren, und dann werde ich auch den Fahrer sehen. Das ist jetzt kein Traum, in dem es von alleine fahren kann." Er achtete auf die vorbeifahrenden Autos, aber es war keine rote Limousine darunter. Vor dem Büro parkten viele Fahrzeuge. Keines davon war rot.

Mit dem Fahrstuhl fuhr er ins achte Stockwerk, in dem sich sein Arbeitszimmer befand. Die Fenster blickten in den Hof. Zum ersten Mal bedauerte 0. das, wäre es anders, hätte er hinausschauen und die Autos auf der Straße beobachten können. „Ich habe schon meinen Kopf verloren, warum interessiert mich dieses rote Auto so?", dachte er.

Den ganzen Tag hatte er in der Redaktion viel zu tun. Er war mit der Korrektur der Texte für die nächste Nummer der Zeitung und der Auswahl von Briefen und anderen Materialien so beschäftigt, dass er sogar vergaß, in der Mittagspause ins Buffet zu gehen, um einen Bissen zu essen, wie er es gewöhnlich machte. Gegen vier Uhr waren die Korrekturen beendet und er hatte endlich die Möglichkeit, sich ein bisschen zu entspannen. Hungrig ging er ins Buffet im sechsten Stock. Als er an die Kasse trat, um für Suppe, Kartoffeln und Tee zu bezahlen, schaute er unwillkürlich beim Fenster hinaus auf die Straße. Eines der Autos, die vor dem Haus parkten, war die rote Limousine. Aber war es wirklich dasselbe Fahrzeug? Mit einer Lust, die ihm selbst seltsam vorkam, ging er daran, zu überprüfen, ob es sich um dieselbe rote Limousine handelte. Er fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten, trat hinaus und schaute auf das Nummernschild des leeren roten Autos: 19-91. Er war sprachlos. Eine Weile blieb er stumm stehen und starrte auf das rote Auto, als ob er auf etwas wartete. In der Tat wartete er auf jemanden. Irgendwann müsste der Fahrer zum Vorschein kommen. Und damit würde endlich dieses merkwürdige Rätsel gelöst werden. Aber niemand ging zu dem Auto. Es war bald Feierabend und von Zeit zu Zeit kamen die Besitzer oder Fahrer der Dienst- und Privatautos, stiegen ein, starteten und fuhren Ios. Allmählich leerten sich die Parkplätze vor dem Bürohaus. Schließlich standen nur noch fünf, sechs Autos da, darunter die rote Limousine. Mittlerweile stand er seit langem da und wartete vergebens auf jemanden oder auf etwas. Worauf eigentlich? Er wusste es nicht und fühlte die Sinnlosigkeit dieses Wartens. Er könnte bis morgen hier stehen bleiben, aber kein Besitzer oder Fahrer dieses Autos würde auftauchen. Dessen war er sich sicher. Er war auch sicher, dass er das Auto wieder vor seinem Haus fände, würde er dorthin fahren. Warum er sich so sicher war, konnte er selbst nicht verstehen. Aber es war so.

Schließlich machte er sich auf den Weg. Jetzt achtete er nicht mehr auf die Autos, sondern auf die vorbeigehenden Menschen, aber er sah kein bekanntes Gesicht, so, als ob er in einer ihm völlig unbekannten, fremden Stadt wäre. Dieses Gefühl bekam er natürlich nicht erst heute. In den letzten zwei, drei Jahren erkannten weder 0. noch die alten Bewohner ihre eigene Stadt. Als ob sie ihnen aus der Erinnerung geglitten sei, schien sie voll von fremden Einwohnern - nicht nur die Gesichter, sondern auch das Verhalten, die Art und Weise des Umgangs der Menschen miteinander hatten sich geändert. Es schien, als ob die Häuser, die Straßen, die Plätze dieser Stadt jetzt anders, den Menschen völlig fremd waren. Früher brauchte 0. in der Nähe seines Büros oder Hauses nur ein paar Schritte zu machen, um Bekannten zu begegnen. Jetzt konnte er stundenlang durch die Straßen bummeln, würde aber keinen einzigen treffen. Nachdenklich kam er bei der U-Bahn an und sah die rote Limousinevor sich stehen. Wie war sie hierher gekommen? Führte doch nur eine Straße von seinem ßüro zur U-Bahn und er hatte das rote Auto nicht vorbeifahren gesehen. Vielleicht hatte er es einfach nicht beachtet, da seine Gedanken zerstreut waren. Jedenfalls war das Auto schon hier. Und es war wieder leer, ohne Fahrer. Seine Gefühle waren verworren: Verwunderung, Interesse an der Aufklärung des Geheimnisses, Unruhe, Angst und Ärger wechselten sich ab. Wenn irgendjemand mit ihm -natürlich mit ihm, mit wem sonst, Haus - U-Bahn - Büro - das war nur sein Arbeitsweg! -, wenn irgendjemand ein Spiel mit ihm treiben wollte: Bitte schön! 0. würde nicht davonlaufen. Er war bereit, dieses geheimnisvolle Spiel mitzuspielen, hätte nur gerne die Spielregeln kennen gelernt und die Gegenspieler. Daran dachte er noch, als er schon in der U-Bahn saß. Endlich kam er zu einem seltsamen Schluss: Wenn man dieses Spiel mit einem bestimmten Ziel - welches, war ihm völlig unklar -begonnen hatte, bedeutete das, dass man seinen täglichen Weg ins Büro gut kannte. Man hatte ihn beobachtet, verfolgt und diesen Weg herausgefunden. Das war nicht so schwierig. Wenn diese Leute - Wer waren sie? - 0. kannte sie jedenfalls nicht -aber diesen Trumpf' in der Hand hatten, hatte auch er seine Chance, dieses Spiel zu gewinnen. Würde er bei der vierten, also der gewohnten Station aussteigen, sähe er natürlich sofort, dass sie das Auto dort abgestellt hätten. Er müsste daher nicht bei der vierten, sondern bei der zweiten Station aussteigen. Warum er sich weder für die erste noch für die dritte, sondern ausgerechnet für die zweite entschied, begriff er erst, als er die U-Bahn bereits verlassen hatte: Sein Unterbewusstsein spielte mit. Nur ein paar Schritte enfernten ihn jetzt von einem Haus,in dem er bis vor zwei Jahren täglich gewesen war. Seit damals hatte er seine Sekretärin, die dort wohnte, nicht mehr besucht.

  . . .

Die Sekretärin und er arbeiteten in derselben Redaktion. Eines Tages, genauer gesagt eines Abends waren 0. und die Sekretärin verantwortlich für die nächste Nummer der Zeitung. Gegen Mitternacht waren sie fertig und verließen die Redaktion. 0. begleitete die Sekretärin nach Hause. Während der U-Bahn-Fahrt sprachen sie über ihre Arbeit, die Kollegen und das Wetter. Seit einem Jahr arbeiteten sie zusammen, es kam ihnen nie in den Sinn, über die Beziehung zwischen Mann und Frau zu reden. Jetzt, unterwegs, über andere Dinge sprechend, schien beiden bereits bewusst zu sein, dass sie sich an diesem Abend nicht voneinander verabschieden würden. (Später gestand das auch die Sekretärin).

Sie war jung, hübsch, freundlich und wohnte allein. 0. war ledig und nie verheiratet gewesen. Außerdem war er eben vor fünf Jahren noch um fünf Jahre jünger gewesen... Wer hatte die Wörter, die als Andeutung, Vorschlag oder Einladung klingen sollten, zuerst ausgesprochen? Hatte die Sekretärin 0. zu einer Tasse Tee eingeladen? Oder hatte 0. sie um etwas gebeten, wohl wissend, dass es nur in ihrer Wohnung zu finden wäre. Vielleicht wurden die entscheidenden Andeutungen und Vorschläge von beiden gleichzeitig geäußert und wie selbstverständlich angenommen. In ihrer Wohnung angelangt, stellten sie jedenfalls fest, dass es ohnehin bereits zu spät für die letzte U-Bahn war.Er sah damals die Wohnung der Sekretärin zum ersten Mal und übernachtete gleich dort. Das Ende der Beziehung, die drei Jahre lang gedauert hatte, kam allmählich. Ihr Verlangen nacheinander war gesättigt. Die Sekretärin, die das vielleicht vorausgeahnt hatte, wechselte ihre Arbeitstelle. Sie hatte kein Telefon zu Hause.

Die Beziehung war bereits abgekühlt, noch bevor die Sekretärin ihre neue Stelle angetreten hatte. Und irgendwann trafen sie sich einfach nicht mehr. Nach der Trennung kam 0. einmal unerwartet zu Besuch. Freundinnen von der neuen Arbeitsstelle waren gerade bei ihr, sie empfing ihn unterkühlt. Er setzte sich kurz dazu und ging dann fort. Nach einer Woche kam er noch einmal, sie war nicht zu Hause. Bei einem weiteren Versuch traf er sie abermals nicht an. Danach kam er nie mehr. Weder quälte noch schmerzte 0. diese Trennung. Als jemand, der immer allein gelebt hatte, war er an Einsamkeit gewöhnt, hatte sich ihr angepasst, sich mit ihr ausgesöhnt. Einsamkeit bedrückte ihn nicht. Ab und zu, wenn er sich langweilte - er hatte manchmal solche Tage - telefonierte er mit einem seiner alten Bekannten, und sie trafen sich entweder bei ihm oder bei dem Freund, verabschiedeten sich wieder und sahen sich später monate- oder jahrelang nicht. Als er die U-Bahn-Station verließ, sah er keine rote Limousine. Wer hätte auch vermuten können, dass er hier aussteigen würde, so plötzlich, wie es ihm eingefallen war. Mechanisch führten ihn seine Füße zu dem Haus, wo die Sekretärin wohnte. Er stieg über die bekannte Treppe in den dritten Stock hinauf - im zweiten Stock befanden sich abgetretene Stufen, er musste vorsichtig sein - und klingelte mit einer Sicherheit, als ob keine zwei Jahre vergangen wären. Hinter der Tür waren Schritte zu hören.

„Wer ist da?" Er nannte seinen Namen. Die Tür ging auf. Die Sekretärin sah

ihn verwundert an. „Du? Warum? Welcher Wind hat dich vor beigeblasen?"

Er sagte, dass er gerade hier vorbeigegangen war und beschlossen hatte, sie zu besuchen. Endlich bat die Sekretärin ihn in die Wohnung. „Komm rein. Aber du musst die Unordnung entschuldigen. Woher sollte ich wissen, dass ich Besuch bekomme?" Das Zimmer machte einen seltsamen Eindruck, es war ohne

Möbel, völlig leer. Nur der Wandspiegel hing noch dort. In Kartons eingepackte Bücher standen in der Ecke. Ein paar weitere lagen zwischen Zeitschriften und Zeitungen am Fensterbrett oder auf dem Fußboden verstreut. Der Wandspiegel rief bei 0. Erinnerungen wach; den Augen der Sekretärin entging nicht, wie er ihn ansah. Sie konnte sich vorstellen, woran er sich erinnerte: Manchmal hatten sie sich vor

dem Spiegel geliebt. Er wandte sich ab und schaute sich das Zimmer noch einmal an. Eine bestimmte, quadratische Stelle des Fußbodens schien weniger ausgebleicht zu sein als der Rest. Hier hatte ihr Bett gestanden, der Ort der kurzen Sternstunden.

Er hörte es noch knarren. Es war das geräuschvolle Knarren des Holzes, wenn sie sich darauf liebten. „Bist du zum Verabschieden gekommen?", fragte die Sekretärin.

„Zum Verabschieden?", er verstand nicht. „Ziehst du um?" Die Sekretärin nickte.

 „Wohin gehst du?"

„In die Ferne," die Sekretärin lächelte, „auf einen anderen Kontinent, an das andere Ufer des Ozeans."

0. erinnerte sich, dass ihre Mutter Jüdin war, sie hatte Ver-

wandte in Amerika, eine Tante und ein Onkel wohnten dort.

„Wann reist du ab?".

„Übermorgen. Ich habe schon alles verkauft. Heute hat man

auch das Bett abgeholt - ich muss diese Nacht wohl auf dem

Fußboden verbringen."

„Und diese Bücher?"

„Morgen wird man sie abholen." Plötzlich fiel ihr etwas ein.

„Ich habe in der Küche noch eine Teekanne und ein paar Gläser. Ich mache uns Tee."

„Lass das", sagte 0., aber die Sekretärin war schon in der

Küche.

Er ging zum Fenster. Die U-Bahn-Station war von hier aus zusehen. Dann sah er sich im Wandspiegel an. Seine Haare warengrau, es sah aus, als wären sie verschimmelt.

Er nahm nacheinander ein paar Bücher, die auf den Stapeln obenauf lagen, blätterte darin und legte sie zurück. Es waren sehr alte Enzyklopädien, Nachschlagewerke und Bücher aus verschiedenen Bereichen, darunter auch einige Raritäten. In fast allen Büchern fanden sich neben den Texten Anmerkungen und Notizen, mit Bleistift geschrieben. Manche Wörter, Phrasen und Sätze waren unterstrichen. Ab und zu waren auch Frage- und Rufzeichen zu sehen. „Du hast eine große Bibliothek gehabt. Das wusste ich gar nicht." „Sie ist mir von meinen Eltern geblieben. Später habe ich auch ein paar Bücher gekauft. Aber die meisten gehörten ihnen."„Warum habe ich sie nie bemerkt? Wo war sie versteckt?" Die Sekretärin lächelte bitter. „Was hat du denn damals bemerkt? Du bist hereingekommen und hast mich sofort über- fallen und ins Bett gezogen. Dann warst du satt und zufrieden. Wenn du dann auf die Uhr geschaut hast, habe ich dir aus deiner schwierigen Lage geholfen und gefragt: 'Vielleicht hast du es eilig. Hast du etwas Dringendes zu tun?' Sofort hast du er-

widert 'Ja, ich muss leider gehen.' Und schon warst du verschwunden." 0. erinnerte sich, dass es wirklich so gewesen war, wie die Sekretärin es jetzt schilderte. Aber sie hatten schon damals genug darüber diskutiert. Ein Grund für das Abkühlen ihrer

Beziehung waren sicher diese Streitigkeiten. Um sie jetzt zu umgehen, wechselte er das Thema. „Sind diese Anmerkungen von deinem Vater?", er zeigte auf die

Bleistiftnotizen in einem der Bücher. „Sowohl von ihm als auch von meiner Mutter. Auf jeden Fall nicht von mir."

„Konnte dein Vater Englisch?"

„Englisch, Deutsch und Persisch."

„Wem überlässt du diese Bücher?"

„Niemandem. Ich habe sie einfach verkauft."

„Verkauft? Wem?"

„Verschiedenen Leuten. Die einen interessieren sich für diese,

die anderen für jene."

„Macht dir das nichts aus? Es sind doch Anmerkungen darin,

Meinungen deiner Eltern."

„Was soll ich tun? Sie sind ja schon tot - sowohl die Eltem als

auch die Bücher."

„Du meinst, dass Bücher auch sterben?"

„Natürlich"

„Wie meinst du das?"

„Da gibt es nichts zu erklären. Das ist einfach so. Wenn die Besitzer der Bücher, die sie kaufen, sie sammeln, Anmerkungen machen, ihre Zeit mit ihnen verbringen und an sie denken, eines Tages sterben, dann nehmen sie die Bücher mit ins Jenseits. Das heißt, dass sie auch sterben. Ich meine die Bücher. Bei neuen Besitzern sind sie nicht mehr dieselben, auch wenn sie sich äußerlich nicht verändern." 0. nahm einen Schluck Tee und sah die Sekretärin so verwundert an, als ob er sie zum ersten Mal sehen würde. Sie fuhr fort: „Ich mag es, Bücher zu lesen und über sie nachzudenken. Nicht nur über ihren Inhalt, sondern über sie im Allgemeinen. Die meisten Bücher hier sind seit fünfzig, sechzig Jahren zusammen. Sie lebten zusammen. Sie waren Nachbarn in den Regalen. Sie waren einander vertraut. Manchmal kam es mir so vor, als würden sich ihre Figuren in der Nacht besuchen, miteinander unterhalten, einander beleidigen und sich wieder versöhnen. So wie du und ich." „Wir habeneinander nicht so beleidigt, dass wir uns jetzt versöhnen müssten."

„Natürlich, da hast du Recht. Aber diese Bücher waren wie eine

Familie. Jetzt trennen sie sich voneinander und die Familie

wird  zerstört.  Schon  morgen werden  sie  in verschiedenen

Stadtteilen, in verschiedenen Häusern, in den Händen verschiedener Menschen  sein.   Sie  werden   nie  wieder  zusammen-

kommen." Sie schwieg eine Weile und fuhr dann fort: „So wie wir, du und ich."

Es war ihm, als sähe er die Sekretärin zum ersten Mal, als entdecke er jetzt erst, wer sie wirklich war.

„Warst du schon immer so?", fragte er. „Warum hast du mir das alles nicht fruher gesagt?" „Du hast mir doch keine Gelegenheit gegeben. Kaum herinnen,

hast du mich sofort überfallen." „Lass diese Geschichte."„Aber es war wirklich so. In der Arbeit nur offizielle Gespräche, und hier, zu Hause ... dumpfe Worte ... beinahe fehlte dir der Atem ... und dann ... danach hast du nur mehr gegähnt." Als die Sekretärin - ob absichtlich oder nicht - diese Erinnerun- gen in ihm wachrief, dachte er daran, dass sie sich niemals auf dem nackten, kahlen Fußboden auf Zeitungen zwischen den verstreuten Büchern geliebt hatten. Er stand auf und wollte sie

umarmen. Die Sekreträrin zog sich ruhig, aber bestimmt zurück. „Es geht nicht", sagte sie, „nichts kann einfach zurückgeholt werden. In letzter Zeit habe ich mich kaum mehr an dich erinnert, auch nicht in meinen Träumen. Ich hatte nicht mehr die

Absicht, dich anzurufen. Aber irgendwo, tief in meinem Herzen, habe ich doch den Wunsch verspürt, mich von dir zuverabschieden, bevor ich mich für immer von allem hier trenne.Und wenn ich mir etwas wünsche, geht das auch in Erfüllung du bist von allein hier aufgetaucht. Hast du wirklich nicht gehört, dass ich abreisen werde?"

„Ich schwöre es. Es ist ein Zufall, dass ich herkam. Ich wollte dir noch etwas erzählen..." „Was denn?"

Eigentlich wollte er über die rote Limousine sprechen, aber er tat es nicht. Wie sollte er ihr davon erzählen, wie könnte er es erklären? Einfach sagen, dass er dasselbe Auto am gleichen Tag vier- oder fünfmal gesehen hat? Was dann? Außerdem war die Sekreträrin eigentlich gar nicht mehr da: nicht mehr in diesem Zimmer und auch nicht mehr in dieser Stadt. Es war, als würde sie aus einer anderen Welt mit 0. sprechen. Hier, bei ihm, war nur mehr ihr Körper, ihre Seele war längst weit weg.

Er dachte an diesen Körper, dessen Hügel und Mulden ihm alle vertraut waren, dessen Haut sich straffte, wenn sie sich ineinander schlangen, den er immer so genossen hatte. Je vertrauter ihm dieser Körper war, dachte 0., desto weiter entfernte er sich • von ihrer Seele. Ein verrückter Wunsch überkam 0.: er wollte den Wandspiegel zerstören, ihn in Scherben zerbrechen. Aber er erinnerte sich, dass dies immer Unglück verhieß. Und das wünschte er weder der Sekretärin noch sich selbst. Wahrscheinlich hatte sie auch diesen Wandspiegel, den Spiegel ihrer Liebe, verkauft, er würde sicher bald abgeholt werden. Und vielleicht gab es auch anderswo Leute, die sich gern vor dem Spiegel liebten. Plötzlich wurde ihm in diesem ausgeräumten, atem-, wort-und stimmlosen Zimmer jede Minute zur Qual. Und er sagte alle guten Wünsche nacheinander auf, die, wie er meinte, zu einem Abschied passen könnten: „Gute Reise! Leb wohl! Mögest du dort erfolgreich sein!", ja, sogar „Vielleicht werden wir uns irgendwann und irgendwo wieder sehen." (Beide wussten genau, dass dies niemals geschehen würde.) Während er noch hastig redete, war die Tür bereits geöffnet, er küsste ihr auf die Stirn und stieg eilig die Treppe hinunter. Im zweiten Stock wäre er beinahe über die kaputten Stufen gefallen, er knickte um. Als er sich umdrehte und zurückschaute, stand die Sekretärin noch an der Schwelle und winkte ihm zu. In ihren Augen waren keine Tränen. Sie Lächelte. Der Schmerz in seinem Fuß ließ allmählich nach, er begann wieder langsam die Treppe hinunterzusteigen, über sich hörte er, wie sie die Wohnungstür oben schloss. Das Geräusch erinnerte 0. an das Knarren des Bettes. Erst in diesem Augenblick wurde ihm bewusst, dass sie sich endgültig voneinander getrennt hatten. Er begriff auch, dass die Sekretärin seine letzte Vertraute in dieser Stadt war, obwohl sie sich seit Jahren nicht getroffen hatten. Nur ihr hätte er von der roten Limousine erzählen können, sonst niemandem.

Am liebsten wäre er zurückgekehrt, hätte ihr alles erklärt und gesagt: „Reise nicht ab! Zieh nicht um! Lass uns heiraten und zusammenleben! Und lass uns die Bücher behalten! Wenigstens diese Nacht... diese eine Nacht verbringen wir zusammen! Wir breiten die Bücher auf dem Fußboden aus, legen uns darauf, decken uns mit den Zeitungen zu und schlafen ineinander verschlungen ein!" Er wußte, dass das unmöglich war. Alles war entschieden. Eswar unmöglich, jetzt noch etwas zu ändern. Vor seinem Schicksal konnte man nicht davonlaufen.

Er kam im Erdgeschoss an und trat aus der Eingangstür. Als er die rote Limousine direkt vor sich stehen sah, wunderte er sich gar nicht darüber. Es war, als ob es genauso sein müsste, als ob es selbstverständlich wäre, dass dieses rote Auto ihn gesucht und hier gefunden hatte.

Leise, gleichgültig, ohne Eile ging er zur U-Bahn. Es nieselte. Nur dieses Nieseln schien 0. noch bekannt zu sein in dieser Stadt, die einmal seine eigene gewesen war und ihm mittlerweile völlig fremd geworden war. Er kannte die Menschen nicht mehr. Und auch die Häuser, die Straßen hatten sich verändert. Er sah sich um: nichts Bekanntes. Er hob seinen Kopf und schaute auf die Wolken. Sie waren ihm vertraut. Aus diesen vertrauten Wolken kam ein vertrauter Regen, und auch der schien aus der Vergangenheit zu stammen, aus seinen vergangenen Tagen, die er für immer verloren hatte. Er achtete nicht darauf, wann er in die U-Bahn ein- oder ausstieg. Ohne auf den Bus zu warten, machte er sich irgendwann auf den Heimweg. Es nieselte noch immer. Er würde noch ein paar Schritte machen, bei seinem Haus ankommen und dort das rote Auto sehen. Ganz gewiss. Und er machte diese Schritte, die Haustür war bereits zu sehen. Der Platz davor war leer. Da parkte kein Auto. Weder ein schwarzes noch ein grünes noch ein rotes. Er wußte, dass er in wenigen Stunden ins Bett gehen und das rote Auto im Traum sehen würde. Er schreckte aus dem Schlaf auf. Schaute auf die Uhr. Es war halb fünf am Morgen. Noch blieben zweieinhalb Stunden bis

zum Klingeln des Weckers. Aber es erschien ihm einleuchtend,

dass er heute gerade zu dieser Zeit erwachen und aufstehen

müsste. Er stand auf und ging zum Fenster. Auf der Straße, die völlig leer war, wo keine Menschen und Autos verkehrten, stand, genau vor seiner Haustür, ein einziges Auto: die rote Limousine. Er wusste genau, was er zu tun hatte. 0. duschte, wusch und rasierte sich, zog ein sauberes weißes Hemd und den frisch gebügelten Anzug an, band sich eine neue Krawatte um und putzte die Schuhe. Er warf noch einen Blick in sein Zimmer, bevor er es verließ. Erst wollte er den Wecker abstellen, aber dann meinte er, erkönne ruhig um sieben klingeln. „Er wird ohnehin niemand wecken in diesem leeren Zimmer." Er zündete sich keine Zigarette an - „Ja, die letzte Zigarette und so..." diese Art Romantik war ihm zuwider. Langsam, aber ohne zu trödeln, stieg er die Treppe hinunter und trat auf die Straße. Um diese Tageszeit war

er ganz allein. Sogar die Feuchtigkeit des Regens am Gehsteig war verdampft.

Er ging auf die rote Limousine zu. Obwohl sie wieder leer war, wusste er, dass die Türen nicht verschlossen waren. Er öffnete die Fahrertür, stieg ein und setzte sich hinter das Lenkrad.

Er hatte erwartet, dass der Schlüssel stecken würde. Und wirklich - es war so...

Er warf noch einen Blick auf die unbekannte Straße, auf die

unbekannten Häuser und auch auf den vertrauten Himmel. Die

Woiken  hatten sich verzogen.

Dann drehte er den Schüssel um...

 

TAGESMELDUNG EINER NACHRJCHTENAGENTUR „Heute gegen fünf Uhr früh explodierte in der Dritten Berggasse ein Auto. Es wird vermutet, dass beim Starten eine Bombe detonierte. Nähere Informationen zur Person des Bombenattentäters, zum Fahrzeugbesitzer sowie zum Fahrer des Wagens, der zerfetzt und vollkommen unkenntlich aufgefunden wurde, sind noch nicht verfügbar. Ermittlungen wurden umgehend eingeleitet.

26., 27. August 1991